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Mit den Freien Wählern auf der Suche nach den ältesten Trossingern

Auf die Suche nach den ältesten Trossingern – immerhin lebten die Plateosaurier vor rund 220 Millionen Jahren – begab sich in dieser Woche die Gemeinderatsfraktion der Freien Wählervereinigung Trossingen. An der sogenannten „Rutschete“, dem Fundplatz an der Deibhalde, wurden die Freien Wähler von Norbert Adorf, dem Wissenschaftlichen Mitarbeiter von Grabungsleiter Dr. Rainer Schoch vom Staatlichen Naturkundemuseum in Stuttgart über den aktuellen Stand der aktuellen Grabungen informiert.

Nach dem ersten Knochenfund im Jahr 1910 hätten insgesamt drei Grabungen stattgefunden (1911/12; 1922/23 und 1933/34) erklärte Wissenschaftler Norbert Adorf „über ein Dutzend komplette Skelette verteilt auf eine Fläche vom Trosselbach bis an die Stelle, wo wir heute wieder graben, wurden gefunden“. Die alten Grabungsbücher von Professor Dr. Huene und Dr. Seemann sowie ein Foto im Trossinger Heimatbuch seien wertvolle Hilfestellungen gewesen „um exakt hier die Anschlussstelle zu finden, wo 1932 bis zu acht Meter große Skelette gefunden worden sind“, die teilweise während des Krieges in Stuttgart verbrannt seien, berichtete Adorf.

„Wir befinden uns hier an einer sehr berühmten Stelle, denn aus Trossingen kommen nachweislich die weltweit ältesten Schildkrötenfunde und auch die Plateausaurier zählen zu den ältesten Funden aus dem geologischen Zeitalter des Trias vor rund 220 Millionen Jahren“. Nicht alle Dinos seien ausgestorben „einige Arten von Sauriern haben sich fortgesetzt bis zu den heutigen Vögeln, erklärte der Paläontologe vom Staatlichen Naturkundemuseum Stuttgart, wo der Plateosaurus Trossingenis im Rahmen der Landesausstellung 2007 „Saurier – Erfolgsmodelle der Evolution“ als größtes Diorama der Ausstellung bestaunt werden konnte.

„Was erwarten Sie nun 75 Jahre nach den letzten Grabungen für neue Erkenntnisse“ war die Frage von Heinz Messner, die Adorf so beantwortete: „Wir hoffen noch nicht entdeckte Dinge zu finden, die für die Wissenschaft sehr interessant werden können“, nach dem ersten Profilschnitt seien bereits interessante Kleinteile wie Zähne oder Dornen gefunden worden, ebenso könnten durch den Profilschnitt neue Fundstellen oder die Häufigkeit an Funden ausgemacht werden.

Die Freien Wähler zeigten sich überrascht über die Arbeitsweise der wissenschaftlichen Grabungsarbeiter und Norbert Adorf klärte darüber auf, dass man heute viel mehr wisse, wie vor 75 Jahren „doch mit Ultraschall und Röntgengeräten arbeiten wir noch nicht, wir sind schließlich nicht Jurassic Park“ und verneinte die Frage nach DNA. „Mit DNA kommt man nur etwa zehntausend Jahre zurück, um Fragmente herauszuziehen“, nach mehr als 200 Millionen Jahren seien die Teile molekular so verändert, dass nichts mehr an organischem Material vorhanden sei. Adorf zeigt auf eine Stelle, wo die Mitarbeiterinnen gerade für Laien kaum erkennbare kleine „Knochenteile“ gefunden haben, die eine bläuliche Verfärbung aufweisen. Diese Knochen werden mit einem Gipsmantel umhüllt und wie die vielen anderen Funde, die seit Grabungsbeginn entdeckt wurden, zu Präparationsversuchen ins Labor nach Stuttgart mitgenommen.

Eigentlich würde man vermuten, dass an der Fundstelle mit großer Gerätschaft an die Arbeit gegangen wird, doch weit gefehlt: das größte Arbeitsgerät weit und breit ist eine Schaufel, die aber lediglich dazu dient „wertlosen rötlichen Mergel“ umzuschichten. Ein Bagger war lediglich vor Beginn der eigentlichen Sondierungsgrabung am Werk, um eine rund 20 Meter breite Schneise frei zu schieben, wo jetzt die Grabungsmannschaft in etwa drei Metern Tiefe mit akribischer Sorgfalt Schicht für Schicht „umgräbt“, um wertvolles Knochenmaterial zu finden, ohne dieses zu beschädigen. Hilfsmittel hierzu sind nicht Spaten oder Pickel, die lediglich im felsigen Material zum Einsatz kommen, sondern die in Trossingen eher weniger bekannten Geräte, mit denen man normalerweise Spargel erntet.

Die Frage von Marco Gola, wie lange in Trossingen gegraben werde, konnte Norbert Adorf nicht eindeutig beantworten, denn „das ist abhängig von den Funden“. Dr. Rainer Schoch, Paläontologe und Grabungsleiter des Staatlichen Naturkundemuseums Stuttgart, hatte aber bereits zu Beginn der Sonderungsgrabungen im September angekündigt, dass nach den Sondierungsgrabungen im kommenden Jahr mit der eigentlichen Grabung nach Funden begonnen werden soll. Derzeit befindet sich Dr. Rainer Schoch auf einem Kongress in Texas, wo unter anderem auch Trossingen als eine der interessantesten Saurierfundstellen Thema ist „Wissenschaftler Internationaler Museen stehen in gutem Kontakt miteinander“, berichtete Norbert Adorf.

So darf man also gespannt sein auf die weiteren Erkenntnisse der Grabungen „es kann möglicherweise bis zu 70 Meter tief rein gehen“, erklärte Adorf, denn man wolle schließlich erforschen, warum gerade an dieser Stelle so viele Saurier ihren Tod fanden, ob eventuell eine Katastrophe eine große Herde hergetrieben und angeschwemmt habe, aber auch, warum viele Skelette eine liegende, kauernde Position einnehmen. Fragen rund um den Schwäbischen Lindwurm, die die Paläontologen des Staatlichen Naturkundemuseums um Grabungsleiter Dr. Rainer Schoch noch lange Zeit beschäftigen werden.

19 Oktober 2007 | Kommentieren

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